Calçotada – eine katalanische Tradition

verfasst von derLasse am 20. Februar 2013



Nach längerer Abwesenheit gibt`s endlich wieder etwas von Gastautor Jahn Schlosser  zu lesen. Neben all dem Hobbykochen musste er sich in der letzten Zeit vor allen Dingen um seine kleine, wenige Monate alte Tochter kümmern. Schön, dass er die Zeit gefunden hat, uns eine kulinarische Tradition aus seiner Wahlheimat Katalonien vorzustellen: Calçotada.

 

Calcots

 

Von allen Katalanen und natürlich auch den hier lebenden Guiris (so nennt man die ausländischen Touristen aus England, USA und Deutschland in Katalonien) herbeigesehnt: Die Saison für Calçots.

 

Diese Zwiebel ist ein aus dem südlichen Valls stammende Sonderform und super lecker zart. Der Prozess der Zubereitung und des Konsums dieses Leckerchens ist recht ritualisiert und für jeden, der einmal die Katalanen besucht ein absolutes Muss!

 

Okay, man sollte natürlich in den Monaten Februar bis April vor Ort sein, da sonst die Calçots ja nicht mehr richtig frisch sein können. Ich hatte Glück und war bei einer super netten Geburtstagsparty in einem Olivenhain mit 700 Bäumen mit dabei und im folgenden gibts die Bilderstory.

 

Die Szenerie:

 

Calcotada - Die Szenerie

 

Als erstes müssen die Calçots gekürzt werden. Dabei werden ihnen die Wurzeln abgeschnitten. Und ein Teil vom Grün. Das ganze läuft ähnlich wie beim Lauch ab.

 

Calcots

Calcots schneiden

   

Im nächsten Schritt wird alles lecker auf ein großes Grillrost drapiert.

 

Im Hintergrund schon mal gut Feuer anfachen. Achtung: Wenn man sich mitten in einem trockenen Landabschnitt befindet… Unbedingt genügend Wasser vorrätig haben.

 

Calcots sortieren

 

Zwei starke Jungs sollten das Ganze dann wirklich mitten aufs Feuer legen. Die Dinger werden nämlich jetzt tatsächlich von außen verbrannt.

 

Calcots auf dem Feuer

Calcotada

 

Die Rauchentwicklung ist nicht zu unterschätzen. Sieht auf jeden Fall bis in weite Entfernung richtig spektakulär aus.

 

 

Wenn die Calçots es dann geschafft haben, kommt alles schön in die Tischmitte. Damit man an den ersehnten Zwiebelgenuß kommt muss man die Teile nur noch von der verbrannten Außenschicht trennen.

 

Dafür einfach mit zwei Fingern recht weit unten an der Knolle anfassen und ordentlich ziehen.

 

Calcots

 

Jetzt kann genossen werden.

Einfach in Romesco Sauce tauchen und schmecken lassen.

 

Der zweite Gang bei kommerziellen Calçotadas ist übrigens immer eine Botifarra (katalnische grobe Bratwurst) mit weißen Bohnen und ordentlich Alioli.

 

Die gab es zwar auf dem Land nicht, dafür aber später dann mal in einer Masia (die Masia Bou in Valls wäre dann auch für die klassischste aller Calçotadas zu empfehlen).

 

Und falls Ihr am Wochenende in Barcelona seid… Am 23. Februar gibts ein kleines Fest und das ganze Erlebnis in der Calle Mozart in Gracia. Auf keinen Fall entgehen lassen!

 

Gruss aus dem Zwiebelfanklub Katalonien!
Euer Jahn

 

Botifarra

 

Mehr dazu gibt`s übrigens auch bei Wikipedia.

Dieser Artikel hat bisher 2 Kommentare.


Bisherige Kommentare:

  1. Hardy sagt:

    Etwas über Calçots in einem Deutschen Blog zu lesen – das freut mich. Ich bin auch “Wahl-Katalane” und verbringe aber nicht das ganze Jahr vor Ort. Meine Frau zieht es immer wieder nach Deutschland. Ich liebe Katalonien und bin wegen zwei meiner Hobby’s hier. Schön Motorrad fahren und bodenständig essen.
    Die Calçotada gehört bei uns mit dazu und in aller Regelmäßigkeit verbinden wir das mit einem Besuch bei Freunden in der Nähe von Tarragona. Zwischen Weinbergen und Haselnussplantagen. Wer die Calçots und vor allem die obligatorische Romesco Soße isst wird überrascht sein wie gut das ist. Wir sind davon immer so satt, daß die nachfolgende Grillplatte fast komplett liegen bleibt.
    Aber das Schönste ist die Geselligkeit und den Spaß den es macht, sich kollektiv einzusauen!

    Danke für den Bericht.

  2. Hardy sagt:

    Hola Jahn,
    irgendwie habe ich es dieses Jahr nicht geschafft. Wir fahren immer bei Tarragona in die Nussplantagen in so einen Landgasthof. Es ist herrlich. Ich mag es und überfresse mich regelmässig. Und klar, haben wir immer einen riesen Spaß.
    Wollte eigentlich auch schon einmal blogen – Du hast es getan und viel schöner als ich es hätte machen können.
    Das ist eine typische Calcotada die Du da mitgemacht hast. Wunderschön!!

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