Spannender Ratgeber: Lebensmittel-Lügen – wie die Food-Branche trickst und tarnt

verfasst von derLasse am 24. Oktober 2013



Das in der Food-Branche teilweise übel geschummelt, getrimmt und getarnt wird ist inzwischen hinreichend bekannt. Mit dem Buch Lebensmittel-Lügen liefert die Verbraucherzentrale dem Lebensmittelkunden einen praktischen Wegweiser durch den Einkaufs-Dschungel.

 

Lebensmittel-Lügen

 

Eines vorne weg: Gleich als ich erfahren habe, dass mir das Team von bloggdeinbuch.de eines der Testexemplare dieses Buchs zur Verfügung stellt, war mir klar, dass das keine entspannten Lese-Abende bei gemütlicher Literatur werden würden…

 

Bei seinem Erscheinen hatte der im Ratgeberverlag der Verbraucherzentrale erschienene Ratgeber bereits für einigen Wirbel in anderen Medien gesorgt, deshalb interessierte er mich. Verfasst wurde er von einem Autorinnen-Team, bestehend aus Claudia Weiß, Birgit Klein, Andrea Schauff und Janina Löbel.

 

Bisher dachte ich eigentlich, dass ich schon recht ordentlich darauf achte, was ich so einkaufe. Dieser Ratgeber hat mir allerdings gezeigt, dass sich die eigenen Sinne noch um einiges weiter schärfen lassen und es eine ganze Menge an Lebensmittel-Lügen gibt, auf die man beim Einkauf hereinfallen kann.

 

Bei so manch einem im Buch vorgestellten Fall kann man sich als Leser ganz schön aufregen. Frech, was es alles so gibt und wie so manche Grauzone bis in den letzen Winkel der Zulässigkeit ausgeschöpft wird.

 

Direkt nach dem Aufschlagen gibt die Umschlags-Innenseite dem Leser einen Überblick für den schnellen Einstieg ins Buch. Prima, denn einen solchen Ratgeber werden sicherlich die meisten nicht wie einen Roman der Reihe nach herunterlesen.

 

Grob gliedert sich das Buch nach den einleitenden Worten und einem kleinen Exkurs zur Historie der Werbung in Deutschland in die folgenden 6 Abschnitte:

 

1. Die Werbetricks des Lebensmittelhandels

2. Wie können Produktnamen täuschen?

3. Wie wird mit dem Begriff “Geschmack” getrickst?

4. Tricksereien bei der Füllmenge von Packungen

5. Werbung mit falschen Gesundheitsversprechen

6. Wie sich der Käufer wehren kann

 

Lebensmittel-Lügen

 

In all diesen Abschnitten verdeutlicht der Ratgeber die Sachverhalte anhand anschaulicher Produktbeispiele (bzw. zeigt auch deren Etiketten), die dem Konsumenten aus dem Supermarkt bekannt vorkommen. Hierbei wird dem Leser anschaulich erklärt, wie er solche Etiketten zu lesen und vor allen Dingen zu interpretieren hat – denn vieles steht dort nicht drauf, oder versteckt sich in Formulierungen, bei denen der potentielle Käufer dringend hellhörig werden sollte.

 

Besonders gut gefallen hat mir dabei, dass die Produkte nicht irgendwie hinter vorgehaltener Hand umschrieben werden, sondern eindeutig im Bild zu sehen sind. Bei vielen dieser Produktbilder werden sogar die komplette Verpackung (die natürlich meist ein gesundes, schadstoffarmes Image pflegen will) und eine Vergrößerung des Etiketts mit Inhaltsangaben des Produkts gezeigt. Optimal. Der Leser kann so die “schwarzen Schafe” aus dem Buch im Supermarkt gleich wieder erkennen.

 

Farblich hinterlegte Infoboxen heben wichitge Aspekte noch einmal hervor oder geben zusätzliche Hinweise. Rosa hinterlegte Info-Boxen geben dem Leser außerdem Aufschluss über die weitergehenden Forderungen und Verbesserungsvorschläge der Verbraucherzentralen. Immer wieder finden sich im Buch natürlich auch Hinweise auf das von der Verbraucherzentrale betriebene Portal www.lebensmittelklarheit.de, bei dem der Verbraucher verdächtige Produkte melden kann.

 

Die präzisen Erläuterungen z.B. zur Verkehrsbezeichnung von Lebensmitteln fand ich sehr hilfreich. Ich muss gestehen, dass ich mich mit dieser auch noch nie so wirklich auseinandergesetzt hatte, aber gerade hier können vermeintlich kleine Unterschiede in der Bezeichnung erhebliche Qualitätsdifferenzen repräsentieren.

 

Persönlich sehr interessant fand ich auch den Abschnitt zu den sogenannten “Clean Labels”, als jenen Hinweisen, die uns auf der Produktverpackung sagen sollen, dass das Produkt “zuckerfrei”, “frei von Konservierungsstoffen”, “natürlich”, “ohne künstliche Farbstoffe” etc. ist. In diesem Abschnitt wird einem als Leser besonders bewusst, wie trickreich so mancher Hersteller vorgeht.

 

Selbstverständlich werden im Buch auch die aus den Medien altbekannten Klassiker wie Analogkäse, Formfleisch oder das (mein Gott, was für ein Begriff) Umfruchten ausgiebig erläutert.

 

Beachtenswert ist auch die rückwärtige Umschlagsseite des Buches:
Hier zeigen und erläutern die Autoren anhand eines konkreten Beispiels, welche genauen Angaben und Kennzeichnungen idealerweise auf jedes Lebensmittel gehören würden.

 

Lebensmittel-Lügen

 

Ein sehr gelungener Ratgeber, der mit Sicherheit (das wage ich einmal zu behaubten) für den Großteil der Leser so manch eine – nicht unbedingt angenehme – Überraschung bietet.

 

Für mich steht nach der Lektüre eindeutig fest: Weiterhin versuchen so viel frisches, unverarbeitetes Zeug wie möglich zu kaufen und auf dessen Herkunft zu achten. Bei den (vor-)verarbeiteten Lebensmitteln werde ich die Etiketten jetzt sicherlich etwas deutlicher und genauer unter die Lupe nehmen.

 

Dass man ein Buch dieser Art nicht wie einen Krimi runterliest ist klar. Aber wenn man hin und wieder das ein oder andere Kapitel liest (z.B. eines vor jedem anstehenden Einkauf) kann man so manche neue Kenntnis erlangen. Ich finde es auf jeden Fall empfehlenswert!

 

Wer sein Einkaufsbewusstsein ebenfalls weiter schärfen möchte ist hier an der richtigen Adresse und sollte sich den praktischen Ratgeber am besten gleich bei der Verbraucherzentrale bestellen – dort ist es übrigens auch als e-Book erhältlich.

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