Paris, der Eiffelturm und Abschied von meinem Opinel

verfasst von derLasse am 14. April 2014



Paris kannte ich bisher nur vom Durchfahren per Auto oder dem Eilen mit schwerem Gepäck durch die Metro. Jetzt konnte ich mir die Stadt endlich einmal mit ein wenig mehr Ruhe ansehen. Dabei blieb leider mein geliebtes Opinel auf der Strecke…

 

Paris - Eiffelturm

 

Dass Paris äußerst sehenswert ist, ist ja hinreichend bekannt – deshalb werde ich hier keinen Reisebericht mit Paris-Tipps abliefern. Ein paar kleine Impressionen möchte ich Euch aber trotzdem nicht vorenthalten. 

 

Ergänzung vom 14. April 2014:

Genau ein Jahr und einen Tag ist es nun her, dass ich meine Freundin zu Ihrem runden Geburtstag mit diesem Paris-Trip und einem Picknick unter dem Eiffel-Turm überrascht habe. Von meinem alten Opinel musste ich mich am 13. April 2013 verabschieden, die Ursprungs-Version dieses Beitrags erschien am 17. April 2013 .

 

Witzigerweise genau heute erreicht mich eine Mail von Food-Blogger Peter G. Spandl, dass er das Blog-Event “Auf Messers Schneide” startet, bei dem Blogger aufgerufen werden, unterhaltsame Messergeschichten und -erlebnisse einzureichen.

 

Da darf diese herzergreifende Story direkt aus dem Leben doch nicht fehlen, oder? Deshalb habe ich den Beitrag noch einmal aus dem Archiv hervorgeholt und ein wenig überarbeitet.

 

Ein Klick auf das Banner bringt Euch direkt zu Peters Blog-Event. Jetzt geht`s aber los mit der Geschichte:

 

Auf Messers Schneide

 

Dass es in Paris vielerorts gut schmeckt und das Angebot der Boulangerien einfach unglaublich ist merkt man sehr schnell. Mit dem Angebot an Tartes, Quiches und diversen süßen Gebäckspezialitäten können die meisten unserer einheimischen Bäckereien wohl eher nicht mithalten. Da muss man einfach häufiger mal zuschlagen….

 

Boulangerie Paris

 

Einen Besuch des Eiffelturms hatten wir uns natürlich auch vorgenommen. Klar – das gehört ja dazu. Glücklicherweise (das sei auch jedem empfohlen) kann man dafür auch schon im Vorfeld online Tickets kaufen und erspart sich so eine ganze Menge Wartezeit in ewig langen Schlangen.

 

Vor dem Erklimmen des Tour Eiffel sollte es aber erst noch ein gemütliches Geburtstags-Überraschungs-Picknick zu seinen Füßen geben. Hierfür hatte ich nicht nur die entsprechenden Picknick-Leckereien, sondern auch eine Picknick-Decke und eine Flasche Champagner im Gepäck. Nach dem gemütlichen Schlemmen reihten wir uns dann in der Warteschlange für Leute mit reservierten Tickets ein.

 

Tja. Da steckte dann (zum Glück der einzige) Planungsfehler unseres Paris-Trips: Um auf den Eiffelturm zu kommen muss man eine Sicherheitskontrolle – ähnlich der Security Checks am Flughafen – passieren. Zum Schneiden von Wurst, Obst und ähnlichen Lebensmitteln beim Picknicken hatte ich mein Opinel im Rucksack. Das landete dann leider in der Schredderbox der Sicherheitsschleuse…

 

Paris Frühstück

 

Klar – man hätte sicherlich im Vorfeld auf die Idee kommen können, dass da oben keine Messer, Glasflaschen etc. erlaubt sind, aber da hatte ich leider wirklich nicht dran gedacht.

 

So musste ich mich von einem langjährigen, treuen und auch lieb gewonnenen Wegbegleiter trennen. Ich weiß nicht auf wie vielen Reisen mich dieses Taschenmesser begleitet hat. Ich weiß auch nicht mehr, wie viele Stunden ich insgesamt auf das Nachschärfen seiner Klinge verwandt habe. Unzählige Scheiben Wurst sind damit geschnitten worden – zuletzt noch auf meiner Oster-Skitour zum Winterraum der Siegerlandhütte (von dort stammt auch das letzte Opinel-Einsatz-Bild – siehe Beitrag). Anfeuerholzspäne wurden damit angefertigt, Seile zurechtgestutzt, Baguettes geschnitten, Verpackungen geöffnet, Männchen geschnitzt, Käse portioniert, reparierte Stellen an Surfboards abgeschliffen und noch so vieles mehr…viele schöne Erinnerungen hingen daran.

 

Ein schnelles Erinnerungsbild konnte ich noch knipsen bevor es in die Schredderbox wanderte…

 

Opinel

 

Konstruiert wurde das Opinel bereits 1890 in den französischen Savoyen als praktisches Alltagsmesser (vgl. Wikipedia) und genau als solches hat es für mich immer bestens funktioniert.

 

Zwar gibt es auch Versionen mit rostfreier Klinge, meines aber hatte die klassische, rostende Kohlenstoffstahl-Klinge. Einmal ist sie mir leider so verrostet, dass sie nur noch mit einer Zange aus dem Griff zu klappen war. Nach einiger Schleifarbeit und anschließendem Einölen war sie wieder scharf und hatte eine wirklich einzigartige – zerfressene Patina. Keine Ahnung seit wie vielen Jahren die klassische “Opinel – Savoie – France” Aufschrift des Griffes schon abgegrabbelt war.

 

Dieses Taschenmesser war simpel, klassisch und einfach – und EINFACH MEINS. Ich habe immer gut darauf aufgepasst und es auch zum Glück im Endeffekt nicht irgendwo dumm verloren oder liegen gelassen, sondern es am Fuße eines Turms, auf den ich schon als kleines Kind immer mal wollte, bewusst in eine Box geschmissen. In der warteten übrigens schon ein paar Schweizer Kameraden (hinter denen bestimmt ähnliche Geschichten steckten).

 

Natürlich macht das Sinn. An einer solchen Attraktion haben Messer nun einmal nichts zu suchen und stellen einen Risikofaktor dar, da gibt es überhaupt keine Frage. Daran hätte ich sicherlich denken können.

 

Aber:

Selbstverständlich habe ich mir schon ein neues Opinel bestellt. Ein wenig kleiner dieses Mal (No. 10 statt No. 12), aber selbstverständlich wieder die klassische Kohlenstoffstahl-Klinge und der einfache Standard-Buchenholzgriff. Ich bin mir sicher, dass ich auch damit wieder einen treuen Begleiter in der Tasche haben werde. Diesmal will ich mich auch noch besser bemühen darauf Acht zu geben. Versprochen!

 

Wenn Ihr jetzt auch eins möchtet bestellt Euch doch einfach ein eigenes mit dem nachfolgenden Affiliate-Link. Ihr unterstützt damit die Männerkochrunde und für Euch ändert sich der Preis dadurch natürlich nicht.

 

Opinel-Messer 254010, Größe 10, nicht rostfrei

 

Opinel No. 10

 

Ach ja – hier noch 2 lustige Bilder aus meinen jungen Jahren mit dem alten Opinel im Einsatz… Sie entstanden nach mehr als 6 Wochen Roadtrip, Surfen und Bulli-Hauserei am Playa de Laga im wunderschönen Baskenland.

 

Opinel

 

Dieser Artikel hat bisher 6 Kommentare.


Bisherige Kommentare:

  1. Hardy sagt:

    Ich hätte auf die Fahrt in die alten Eisenträger verzichtet und das Messer behalten! Da hängen so viele Erinnerungen dran, wie z.B. Surfborad schnitzen.
    Da oben im Turm konnte man vor Jahren übrigens sehr gut essen! Ich durfte während der Messetage öfter einmal meine Gäste dorthin begleiten, vor allem Abends sehr schön. Zu einem solchen Anlass hätte ich mir es mit dem Messer vielleicht noch einmal überleg ;-)
    Bei Deiner Oster-Ski-Tour mit dem Opinel kommt so etwas wie Wehmut in mir hoch. Sehr schön!! Danke für den Bericht und die schönen Fotos.

    • derLasse sagt:

      Hey Hardy,
      nee nee – verzichten war nicht. Der vor reservierte Turmbesuch war ein Geschenk.
      Da mussten (und wollten) wir rauf.
      Man hätte das Opinel irgendwo draußen in ein Beet pieken sollen… Aber naja – hinterher ist man immer schlauer.
      Inzwischen habe ich mir ja ein neues zugelegt und damit auch schon so manche schöne Tour erlebt.

  2. kapitaen.haddock sagt:

    Ich habe auf gut Glück nach “Leidensgenossen” gesucht und tatsächlich einen gefunden…Vor ein paar Tagen besuchte ich den Eiffelturm und musste dafür mein Schweizer Offiziersmesser (noch von der nicht mehr existierenden Firma Wenger) in die Box stecken. Es hat mich seit meiner Jugend über 30 Jahre treu begleitet und hat (ohne Wartung) noch funktioniert wie am ersten Tag. Verzichten war schon deshalb nicht möglich, weil der Rest der Familie dabei war. Den Sicherheitsgedanke akzeptiere ich – aber warum ein einfaches Taschenmesser unbedingt geschreddert werden muss, habe ich bisher nicht verstanden – eine Hinterlegung wäre doch auch eine Alternative. Nun ja, auf jeden Fall vergesse ich mein treues Messer auch nicht so schnell und auch wenn ich in der zeitlichen Reihenfolge nach Dir in Paris war: Ja, an den Schweizer Kameraden hängen tatsächlich auch ähnliche Geschichten!

    • derLasse sagt:

      Hey Käpt`n!
      Es tut ja fast gut, die Geschichte eines Leidensgenossen zu lesen – Danke Dir für`s Teilen hier.
      Wobei: 30 Jahre hatte mein Opinel bei Weitem noch nicht auf dem Buckel, da ist Deine Geschichte schon noch einiges dramatischer.
      Da die Shredder-Box am Eiffel-Turm ja durchsichtig ist konnte man ja sehen, dass so mancher Schatz dort hineingeworfen werden muss. Wirklich schade drum.
      Ein paar Schließfächer oder eine Abgebe-Möglichkeit wären eigentlich eine recht unkomplizierte Lösung…
      Ich drücke Dir die Daumen, dass Du einen würdigen Nachfolger für Deinen Schweizer Ex-Kameraden findest!!!
      Beste Grüße und vielen Dank für Deinen Kommentar
      Lars

  3. Hardy sagt:

    @Kapitaen
    Nein, da hätte ich auf den Eifelturm wirklich verzichtet. Ich hoffe die Sicht hat Dich dafür entschädigt. Das was mir da oben gefallen hatte war nur das Restaurant damals. Ansonsten stehe ich dem verosteten Eisen von Herrn Eifel eher mit gespaltenem Interesse gegenüber.
    Ich ziehe es dann doch vor mir das Ganze bei Nacht, beleuchtet, von einem „Bateau-mouche“ aus anzusehen. Am besten noch mit einem Glas in der Hand und einem Häppchen auf dem Tisch.

    @Lasse
    nun sind noch ein paar Umzugskisten ausgepackt und in meinem Keller wird es zunehmend Lichter. Was glaubst Du was ich da entdeckt habe…. jawoll mein Opinel. Hat zwar was Flecken an der Klinge, aber sonst ist alles beim Alten. Nun ist es im Auto und wird mir hie und da wieder zu guten Diensten sein.
    Vor ein paar Wochen war ich auf dem Wochenmarkt in Ceret. Der ist wunderschön und dort gibt es einen tollen Stand mit den Messern und schleifen kann der Opa auch ganz gut.

  4. Eva28 sagt:

    Und noch eine traurige Messer- besser Messerchengeschichte: bis gestern besaß ich ein putziges, dabei aber überaus nützliches ca. 5 cm großes Schweizer Offiziersmesserchen. Extra-Gimmick: mit integriertem USB-Stick. Nachdem sogar am Flughafen bei direkter Nachfrage nie Einwände gegen das Mitführen im Handgepäck erhoben worden waren, ging ich davon aus, dass es auch am Eiifelturm keine Probleme geben würde. Leider ein verhängnisvoller Irrtum, wie sich herausstellte. Das Sicherheitspersonal ist offensichtlich gehalten, alles, was in die Kategorie “Messer” fällt, zu vernichten, ungeachtet des realen Gefahrenpotentials (na ja, für eine Maus wäre das Messer schon tödlich gewesen, das muss ich zugeben). Jetzt ist es jedenfalls weg und mir blutet das Herz, wenn ich mir meinen Messerzwerg geschreddert vorstelle. Die Mäuse auf dem Eiffelturm sind weiterhin in Sicherheit.

Hinterlass einen Kommentar: